Wie man Lernen und Fortschritt blockiert oder auch nicht…
Sobald man sich seiner Sache sicher ist,
verliert man meist seine Funktionsfähigkeit.
Wir glauben gern, dass Abwehrverhalten Überzeugung beweist. Das tut es aber nicht. Es zeigt, dass unser instinktives Denken die Kontrolle übernommen hat. Diese uralte Schaltzentrale – die Amygdala – hat sich entwickelt, um uns vor Raubtieren zu schützen, nicht vor Feedback. Sobald sie eine Bedrohung wahrnimmt, löst sie denselben Reflex aus: Kampf, Flucht oder Erstarrung.
In einem Meeting äußert sich das in Unterbrechungen, Desinteresse oder Schweigen. Es fühlt sich an, als würde man Standards verteidigen, aber in Wirklichkeit schützt es das Ego.
Der Psychologe Daniel Kahneman nennt dies in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ das System-1-Denken – schnell, instinktiv, emotional. Es ist überlebenswichtig, aber verheerend für das Lernen.
Führung erfordert System 2 – langsameres, überlegtes, reflektierendes Denken. Die Art von Denken, die zuhört, bevor sie reagiert.
System 1 lässt sich nicht unterdrücken. Man kann es nur wahrnehmen. Und genau da beginnt die Entwicklung.
Selbstwahrnehmung stärken
Jedes Verhalten ist erlernbar. Manche entwickeln sich schneller, aber jeder kann diese Fähigkeit durch Übung stärken. Selbstwahrnehmung ist genau das: ein Muskel. Je mehr man sie trainiert, desto schneller erkennt man seine Auslöser und kann entsprechend reagieren. Ein einfaches Vorgehen hilft:
- Das Signal wahrnehmen: Das leichte Hitzegefühl in der Brust oder der Drang, etwas klarzustellen, ist ein Warnsignal. Benennen Sie es. Ich fühle mich angegriffen. Indem Sie es benennen, distanzieren Sie sich davon.
- Vor der Reaktion innehalten: Atmen Sie tief durch. Ganz bewusst. Dadurch wird System 2 aktiviert. Es gibt Ihnen Raum, zu entscheiden, anstatt zu reagieren.
- Neugierig umdenken: Fragen Sie sich: Was kann mir diese Person beibringen? Selbst wenn Sie am Ende anderer Meinung sind, haben Sie einen Lernprozess anstelle eines Konflikts begonnen.
- Im Nachhinein reflektieren: Nach angespannten Gesprächen sollten Sie diese noch einmal durchgehen. Was hat Sie getriggert? Was hat Ihnen geholfen, sich zu beruhigen? Reflexion ist die Wiederholung, die Stärke aufbaut.
Mit der Zeit wird diese Abfolge automatisch. Das ist wahre Meisterschaft: nicht, sich nie in die Defensive zu begeben, sondern sich jedes Mal schneller zu erholen.
Neugier – Die dadurch entstehende Energie
Neugier macht die Zusammenarbeit nicht nur angenehmer. Sie verändert die Energie eines Teams. Offene Menschen erzeugen Energie; defensive Menschen rauben sie. Das ist das Wesen von Bonding.
Wenn sich Neugier ausbreitet, entsteht ein positiver Kreislauf:
Offenheit lädt zur Mitarbeit ein. Mitarbeit schafft Vertrauen. Vertrauen schafft Sicherheit. Sicherheit fördert Ehrlichkeit. Ehrlichkeit deckt Probleme frühzeitig auf. Früh erkannte Probleme lassen sich leichter lösen.
Dieser Kreislauf ist die Lebensader von Kultur und Innovation.
So tanken Teams neue Energie, anstatt sich zu erschöpfen.
Negative Energie hingegen vergiftet die Gruppe. Die Abwehrhaltung einer Person kann ein Gespräch beenden. Wenige abgebrochene Gespräche können den Fortschritt stillschweigend behindern.
Neugier als kollektive Stärke
Teams lösen Probleme am besten, wenn sie ihr Wissen bündeln, nicht wenn sie im Wettstreit um die eigene Richtigkeit stehen. Die effektivsten Führungskräfte wissen, dass es nicht ihre Aufgabe ist, alle Antworten zu liefern, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem die besten Antworten entstehen.
Neugier ist keine Schwäche. Sie ist strategisch.
Sie fördert die Zusammenarbeit, die Dynamik und den Optimismus,
auf die leistungsstarke Teams angewiesen sind.
Wenn Sie also diese vertraute Anspannung spüren, dieses Bedürfnis, den Punkt zu gewinnen, betrachten Sie es wie eine Wiederholung im Fitnessstudio. Jede Pause, jede neu formulierte Frage stärkt den Muskel. Ihre Energie ist ansteckend, und Neugier ist die Art von Neugier, die alles vorantreibt.
Autor: Matthew Barnes – Leiter der Entwicklungsabteilung & CTO
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